Digital Link

Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte

29. Juli 2024

Casandra

Von Casandra

Autorin mit Schwerpunkt auf GS1-Standards und EU-Kennzeichnungsvorschriften.

Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte

Nachhaltigkeit ist keine Wahl mehr, sondern eine Notwendigkeit. Bei Digital Link wissen wir, wie wichtig nachhaltige Praktiken sind – deshalb unterstützen wir den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Dieser Plan ist ein zentrales Element des europäischen Grünen Deals und die Grundlage für die Verordnung (EU) 2024/1781 vom 13. Juni 2024 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte (ESPR). Am 28. Juni hat die Europäische Union eine wegweisende Verordnung veröffentlicht, mit der Produkte in der EU ökologisch nachhaltiger werden sollen. Diese neue Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) wird die Art, wie Produkte gestaltet, hergestellt und entsorgt werden, grundlegend verändern und die EU in Richtung Kreislaufwirtschaft führen.

Warum die ESPR wichtig ist

Die Ökodesign-Verordnung ist nicht einfach ein weiteres Gesetz; sie ist ein entscheidender Schritt, um Umweltauswirkungen zu verringern und Nachhaltigkeit im Rahmen des europäischen Grünen Deals zu fördern. Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) soll die ökologische Nachhaltigkeit und die Kreislauffähigkeit der auf dem EU-Markt bereitgestellten Produkte verbessern und legt gesetzliche Anforderungen und Pflichten für Hersteller fest, um die Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Produkte zu verbessern.

Überblick über die neue Verordnung für nachhaltige Produkte

Die am 28. Juni veröffentlichte Verordnung schreibt umfassende Ökodesign-Anforderungen vor, um die Umweltauswirkungen von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus zu verringern. Das Hauptziel ist, langlebige, reparierbare, wiederverwendbare und recycelbare Produkte zu schaffen.

Als Teil der Maßnahmen der Europäischen Kommission soll die Initiative für nachhaltige Produkte nachhaltige Produkte in der EU zur Norm machen, indem ihre Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Energieeffizienz erhöht werden.

Das primäre Ziel ist es, Produkte langlebiger, reparierbarer, wiederverwendbarer und recycelbarer zu machen. Mit der Umsetzung dieser Anforderungen will die EU eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft schaffen, Abfall verringern und Ressourcen schonen.

Überblick über die neue Verordnung für nachhaltige Produkte

Was die Verordnung umfasst

Definition und Anwendungsbereich

Die Ökodesign-Verordnung schafft einen Rahmen für Anforderungen, die Produkte erfüllen müssen, um in der EU verkauft werden zu dürfen. Sie erfasst energieverbrauchsrelevante Produkte und macht damit deutlich, warum die neue Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) den Anwendungsbereich und die Bandbreite ökologisch nachhaltiger und kreislauffähiger Produkte über energieverbrauchsrelevante Artikel hinaus erweitern muss. Ursprünglich lag der Fokus der Regulierung auf energieverbrauchsrelevanten Produkten, nun wird er auch auf nicht energieverbrauchsrelevante Produkte ausgeweitet. Sie deckt eine große Bandbreite von Produkten ab und nimmt nur wenige Kategorien aus, etwa Kraftfahrzeuge und bestimmte verteidigungsbezogene Produkte.

Kernbestandteile und Anforderungen

Digitaler Produktpass (DPP)

Produkte müssen einen DPP haben, der ausführliche Informationen zu ihrer Nachhaltigkeit und ihren Umweltauswirkungen bereitstellt.

Verbot der Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte

Unverkaufte Textilien und Schuhe dürfen nicht vernichtet werden – das fördert einen besseren Ressourceneinsatz.

Produktspezifische Anforderungen

Detaillierte Anforderungen an Langlebigkeit, Energieeffizienz und Materialzusammensetzung.

  • Rezyklatanteil als mögliche horizontale Anforderung, die für mehrere Produktgruppen gilt.

Ressourceneffizienz und Rezyklatanteil gehören zu den 16 Produktaspekten, die in Artikel 5 Absatz 1 aufgeführt sind.

Kernbestandteile und Anforderungen

Der digitale Produktpass (DPP): ein Kernbestandteil der neuen Ökodesign-Verordnung

Der digitale Produktpass (DPP) ist einer der innovativsten und wirkungsvollsten Aspekte der neuen Ökodesign-Verordnung. Er ist ein umfassendes digitales Dokument, das ausführliche Informationen über die Nachhaltigkeit und die Umweltauswirkungen eines Produkts bereitstellt.

Der Produktpass ist ein digitaler Datensatz, der ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet. Er enthält wesentliche Informationen zu verschiedenen Aspekten des Produkts – von Herkunft und Materialien bis zum ökologischen Fußabdruck und den Optionen am Ende der Lebensdauer. Der DPP sorgt für Transparenz und Rückverfolgbarkeit und hilft Verbrauchern, Unternehmen und Behörden, fundierte Entscheidungen über die Produkte zu treffen, die sie nutzen, verkaufen oder regulieren.

Kernelemente des DPP

  1. Produktinformationen:
  • Herkunft: Angaben dazu, wo und wie das Produkt hergestellt wurde, einschließlich Informationen zu Rohstoffen und Produktionsprozessen.
  • Materialien: Umfassende Daten zu den verwendeten Materialien, ihren Quellen und allen Zertifizierungen zu Nachhaltigkeit oder Sicherheit.
  • Herstellung: Informationen zum Produktionsprozess, einschließlich Energieverbrauch, Emissionen und Abfallmanagement.
  1. Umweltauswirkungen:
  • Lebenszyklusanalyse (LCA): Daten zu den Umweltauswirkungen des Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, einschließlich verschiedener Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit.
  • CO₂-Fußabdruck: Detaillierte Informationen zu den Emissionen des Produkts bei Herstellung, Transport und Nutzung.
  • Ressourceneffizienz: Einblicke in die Effizienz des Produkts beim Einsatz von Ressourcen wie Wasser, Energie und Rohstoffen. Die ESPR soll außerdem weitere Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit adressieren, die über Energieeffizienz und Kreislauffähigkeit hinausgehen.
  1. Langlebigkeit und Reparierbarkeit:
  • Langlebigkeitsstandards: Informationen dazu, wie lange das Produkt unter normalen Nutzungsbedingungen hält.
  • Reparierbarkeits-Score: Eine Bewertung, die angibt, wie einfach das Produkt zu reparieren ist – einschließlich Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturanleitungen.
  1. Recyclingfähigkeit und Optionen am Ende der Lebensdauer:
  • Recyclinghinweise: Anleitungen zum sachgerechten Recycling des Produkts, einschließlich Angaben dazu, welche Teile recycelt werden können und wie.
  • Entsorgung am Lebensende: Informationen zu sicheren und umweltfreundlichen Entsorgungsmöglichkeiten für Produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer.
  1. Konformität und Zertifizierungen:
  • Regulatorische Konformität: Bestätigung, dass das Produkt alle relevanten EU-Vorschriften und -Normen erfüllt.
  • Nachhaltigkeitszertifizierungen: Angaben zu allen Zertifizierungen, die das Produkt für die Einhaltung von Nachhaltigkeits- oder Umweltstandards erhalten hat.
Kernelemente des DPP

Auswirkungen der Verordnung

Umweltauswirkungen

Die Verordnung soll den ökologischen Fußabdruck von Produkten durch besseres Produktdesign deutlich verringern – das hilft, Abfall zu reduzieren, den Energieverbrauch zu senken und Treibhausgasemissionen zu vermindern.

Wirtschaftliche und marktbezogene Folgen

Für Unternehmen bedeutet die Verordnung, Produktdesign und Herstellungsprozesse anzupassen. Das kann zunächst Kosten verursachen, eröffnet aber auch neue Marktchancen, weil Produkte der wachsenden Nachfrage nach Nachhaltigkeit entsprechen.

Betroffene Produkte

Liste der Produktkategorien

Die Verordnung betrifft ein breites Spektrum von Produkten, darunter:

– Textilien (Kleidung und Schuhe)

– Möbel (einschließlich Matratzen)

– Reifen

– Reinigungsmittel und Schmierstoffe

– Chemikalien und Farben

– Produkte der Informations- und Kommunikationstechnik

Liste der Produktkategorien

Die aktuelle Liste der betroffenen Produkte ist umfangreich, aber nicht abschließend. Das Spektrum der Produkte unter der EU-Ökodesign-Verordnung wird sich voraussichtlich erweitern und neue ökologische Herausforderungen sowie technologische Entwicklungen aufgreifen.

Die Anforderungen an den digitalen Produktpass werden je Kategorie unterschiedlich ausfallen; die Einzelheiten werden in den delegierten und ergänzenden Rechtsakten festgelegt. Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) setzt einen allgemeinen Rahmen, doch die delegierten Rechtsakte werden die genauen Pflichten von Herstellern, Importeuren und weiteren Beteiligten regeln – und so Konformität sicherstellen und Nachhaltigkeit über verschiedene Branchen hinweg fördern.

Kriterien für die Einbeziehung energieverbrauchsrelevanter Produkte

Produkte werden nach ihren Umweltauswirkungen und ihrem Verbesserungspotenzial in Sachen Nachhaltigkeit ausgewählt – unter Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung und mit Fokus auf Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit.

Pflichten aus der Verordnung

Anforderungen an Hersteller

Hersteller müssen Produkte so gestalten, dass sie bestimmte Ökodesign-Kriterien erfüllen – darunter Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit – und die erforderlichen Informationen im DPP bereitstellen.

Verantwortung von Importeuren und Händlern

Importeure und Händler müssen sicherstellen, dass Produkte die Ökodesign-Anforderungen erfüllen, und dabei Vorhandensein und Richtigkeit des DPP prüfen.

Pflichten von Online-Marktplätzen und Fulfillment-Dienstleistern

Diese Akteure müssen sicherstellen, dass die über ihre Plattformen verkauften Produkte die Anforderungen der Verordnung erfüllen, und den Verkauf nicht konformer Produkte verhindern.

Bevollmächtigte und ihre Rolle

Bevollmächtigte müssen benannt werden, um Konformitätsaufgaben innerhalb der EU zu übernehmen – besonders für Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU.

Anpassungsstrategien für Unternehmen

Schritte zur Konformität

– Führen Sie ein Produkt-Audit durch, um zu erkennen, wo aktuelle Produkte die neuen Anforderungen nicht erfüllen.

– Überarbeiten Sie Design- und Herstellungsprozesse, um nachhaltige Praktiken einzubeziehen.

– Entwickeln Sie den digitalen Produktpass mit allen erforderlichen Informationen.

Bewährte Praktiken für die Umsetzung

– Beziehen Sie Beteiligte ein, darunter Lieferanten, Kunden und Aufsichtsbehörden.

– Investieren Sie in Schulungen, damit Ihre Teams die neuen Anforderungen umsetzen können.

– Nutzen Sie Lebenszyklusanalysen, um die Umweltauswirkungen von Produkten zu bewerten und Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Technische und administrative Maßnahmen

– Richten Sie ein Compliance-Team ein, das die Umsetzung der Verordnung steuert und überwacht.

– Bauen Sie Dokumentationssysteme auf, um den DPP und weitere erforderliche Aufzeichnungen zu pflegen und zu aktualisieren.

Folgen von Verstößen

Sanktionen und Bußgelder

Verstöße können erhebliche Bußgelder und Sanktionen nach sich ziehen und die Profitabilität beeinträchtigen.

Marktbeschränkungen und Produktrückrufe

Nicht konforme Produkte können vom EU-Markt ausgeschlossen werden, und Unternehmen können zum Rückruf verpflichtet werden – mit finanziellen und reputationsbezogenen Schäden.

Rechtliche und regulatorische Konsequenzen

Verstöße können rechtliche Schritte von Aufsichtsbehörden und Verbrauchern auslösen und zu langen, kostspieligen Rechtsstreitigkeiten führen.

Ergänzende Rechtsakte und delegierte Rechtsakte

Die Rolle delegierter Rechtsakte in der Verordnung

Delegierte Rechtsakte sind spezifische Regeln, die die Europäische Kommission festlegt und die Anforderungen für einzelne Produktkategorien konkretisieren – damit der allgemeine Rahmen wirksam angewendet wird.

Erwarteter Zeitplan und erste Produktkategorien

Die ersten delegierten Rechtsakte werden innerhalb von neun Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung entwickelt, mit Fokus auf prioritäre Produktkategorien mit erheblichen Umweltauswirkungen.

Festzulegende konkrete Anforderungen und Standards

Delegierte Rechtsakte werden konkrete Leistungs- und Informationsanforderungen festlegen, etwa Standards für Energieeffizienz, Materialeinsatz und Produktkennzeichnung.

Ergänzende Rechtsakte und delegierte Rechtsakte

Fazit

Die neue Ökodesign-Verordnung markiert einen grundlegenden Wandel bei Produktdesign, Herstellung und Entsorgung und setzt strenge Anforderungen zur Verbesserung der Produktnachhaltigkeit. Sie bringt Herausforderungen wie Konformitätskosten und Verwaltungsaufwand mit sich, bietet aber auch Chancen zur Differenzierung im Markt, für Innovation und für langfristige Einsparungen.

Indem sie ökologische Fußabdrücke verringert und eine Kreislaufwirtschaft fördert, schützt die Verordnung die Umwelt und stärkt zugleich die wirtschaftliche Resilienz. Unternehmen, die sich proaktiv anpassen, erfüllen nicht nur das Gesetz, sondern übernehmen die Führung im nachhaltigen Markt, treiben Innovation voran und erschließen die Nachfrage nach umweltverantwortlichen Produkten.

Zusammengefasst: Die Ökodesign-Verordnung ist anfangs anspruchsvoll, entspricht aber globalen Nachhaltigkeitstrends – zum Nutzen von Umwelt und Wirtschaft.

Sprechen Sie uns an, um zu erfahren, wie wir Sie unterstützen können.

Seien Sie führend beim Übergang von Barcodes zu GS1 QR-Codes