Die Europäische Kommission treibt ihre Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) voran, und Textilien haben im ersten ESPR-Arbeitsplan höchste Priorität. Im Dezember 2022 hat die Europäische Kommission den ersten ESPR-Arbeitsplan angenommen, der die neuen Ökodesign-Anforderungen bis 2024 und darüber hinaus leiten wird. Derzeit, Mitte 2025, werden zentrale delegierte Rechtsakte für den Textilsektor ausgearbeitet; ihre förmliche Annahme wird zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 erwartet. Für Textil- und Schuhmarken bedeutet das einen grundlegenden Wandel in der Art, wie Produkte gestaltet, hergestellt und auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden müssen. Zugleich eröffnet es Chancen für Innovation und Vorreiterschaft.
Was ist der ESPR-Arbeitsplan für Textilien?
Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien ist Teil einer umfassenderen EU-Initiative, um den ökologischen Fußabdruck von Produkten im gesamten Binnenmarkt zu verringern. Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) führt neue Ökodesign-Anforderungen und Nachhaltigkeitsstandards ein, die eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft fördern sollen.
Der erste ESPR-Arbeitsplan umfasst 30 Produktgruppen. Textilien und Schuhe gehören zu den Sektoren mit erheblichen Umweltauswirkungen und haben für die Europäische Kommission höchste Priorität. Ziel ist es, der Industrie Rechtssicherheit und klare Regeln zu geben, damit sie auf eine nachhaltigere Produktion umstellen und negative Umweltauswirkungen beseitigen kann.
Warum haben Textilien im ersten ESPR-Arbeitsplan höchste Priorität?
Der Textilsektor gehört zu den Sektoren mit den größten Umweltauswirkungen in Europa. Er trägt stark zu Abfallaufkommen, Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und der Freisetzung von Mikroplastik bei. Zudem nutzt der Sektor in großem Umfang energieintensive Zwischenprodukte und gefährliche Chemikalien.
Indem die Europäische Kommission Textilien und Schuhe früh in den ESPR-Prozess einbezieht, will sie Investitionen in innovative Materialien, Rezyklatanteile und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Zugleich signalisiert sie die starke Unterstützung der EU für Branchen, die bereit sind, sich am Clean Industrial Deal der Europäischen Union und ihren Ambitionen für eine nachhaltige Zukunft auszurichten.

Welche Änderungen bringt die ESPR für Textilmarken?
Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien führt ehrgeizige Nachhaltigkeitsanforderungen und Ökodesign-Regeln ein, die durch künftige delegierte Rechtsakte bald verbindlich werden. Dazu gehören:
- Mindestziele für den Rezyklatanteil
- Beschränkungen für gefährliche Chemikalien
- Regeln zu Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit
- Maßnahmen zur Beseitigung der Mikroplastikverschmutzung
- Beschränkungen für die Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte
- Anforderungen zur Senkung des Energieverbrauchs
Gemeinsam sollen diese Änderungen Innovation fördern, die ökologische Nachhaltigkeit verbessern und Verbrauchern zugutekommen, indem sie hochwertigere, langlebigere nachhaltige Produkte hervorbringen.

Wie hilft der digitale Produktpass?
Ein zentrales Instrument der ESPR wird der digitale Produktpass (DPP) sein, eine Anforderung für alle vorrangigen Produkte, darunter Textilien, Schuhe, Elektro- und Elektronikgeräte sowie energieverbrauchsrelevante Produkte.
Für die textilen Wertschöpfungsketten sorgt der digitale Produktpass dafür, dass Informationen über Rezyklatanteile, Nachhaltigkeitsanforderungen und die Umweltauswirkungen von Produkten im gesamten EU-Binnenmarkt leicht zugänglich sind. Das schafft Rechtssicherheit, hilft negative Umweltauswirkungen zu beseitigen und fördert Transparenz für Marken wie für Verbraucher.

Welche Branchen sollten vorbereitet sein?
Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien betrifft viele Branchen, von Textil- und Schuhmarken bis zu Lieferanten energieintensiver Produkte, recycelter Materialien und innovativer Werkstoffe.
Der Plan wirkt sich auch auf verwandte Sektoren aus, etwa Elektro- und Elektronikgeräte, energieverbrauchsrelevante Produkte und Zwischenprodukte, die in Textilien und Bekleidung verwendet werden. Kurz gesagt: Jede Branche mit erheblichen Umweltauswirkungen, ob groß oder klein, muss sich nun an den Ökodesign-Anforderungen der EU ausrichten.
Wie wird die ESPR die globale Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen?
Eines der Ziele der Europäischen Kommission ist es, international wettbewerbsfähige, nachhaltige Produkte zu schaffen, die Verbrauchern und dem Planeten zugutekommen. Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien soll hochwertige Arbeitsplätze schaffen, Innovation fördern und den EU-Markt zum Vorreiter einer wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaft machen.
Marken und Hersteller, die sich frühzeitig an den ESPR-Anforderungen ausrichten, sichern sich einen Vorreitervorteil, mit dem sie sowohl im EU-Binnenmarkt als auch weltweit wirksamer konkurrieren können.
Was bedeutet das für die Schuhindustrie?
Die Schuhherstellung ist ausdrücklich im ersten ESPR-Arbeitsplan enthalten. Dieser Sektor steht vor vielen der gleichen Herausforderungen wie die Textilbranche: hoher Energieverbrauch, Einsatz nicht nachhaltiger Materialien und komplexe Strukturen mit großem Abfallaufkommen.
Indem sie Prinzipien der Kreislaufwirtschaft übernehmen, nachhaltigere Materialien einsetzen und die Berechnung von Rezyklatanteilen verbessern, können Schuhmarken ihren CO₂- und ökologischen Fußabdruck verringern. Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien gibt der Schuhindustrie einen klaren Rahmen für den Wandel.

Wie geht es weiter?
Auf den ESPR-Arbeitsplan für Textilien folgt nun die Ausarbeitung künftiger delegierter Rechtsakte, die die Leitlinien des Plans in verbindliches EU-Recht überführen. Diese Rechtsakte werden konkrete Maßnahmen und Zeitpläne festlegen, um die Nachhaltigkeitsziele der ESPR zu erreichen.
Marken sollten sich vorbereiten, indem sie ihren ökologischen Fußabdruck erfassen, in nachhaltige Materialien, Rezyklatanteile und Öko-Innovation investieren und Tools wie den digitalen Produktpass einführen.

Eine nachhaltige Zukunft für den Textilsektor
Der ESPR-Arbeitsplan für Textilien ist ein mutiger Schritt, um negative Umweltauswirkungen zu beseitigen und eine nachhaltige Zukunft für die Textil- und Schuhindustrie zu gestalten. Er betrifft die gesamte Wertschöpfungskette, von Design und Beschaffung über Produktion und Nutzung bis zum Management am Ende der Lebensdauer.
Für Textilmarken, die diese Veränderungen annehmen, liegt die Chance auf der Hand: Sie können vorangehen und nachhaltige Produkte schaffen, die der wachsenden Verbrauchernachfrage entsprechen, künftiges EU-Recht erfüllen und einen Sektor mit großen Umweltauswirkungen zu einem Motor positiven Wandels machen.





